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«Unabhängigkeit ist ein grosser Vorteil im Asset Management.»

 

Urs Ramseier
Twelve Capital AG

Urs Ramseier ist ein Gründungspartner der Twelve Capital. Heute agiert er als CEO und CIO. Die Firma ist auf den Versicherungssektor spezialisiert und investiert in alle Anlageklassen des Sektors: Cat Bonds, Private Insurance-Linked Securities, Versicherungsanleihen, Insurance Private Debt und Versicherungsaktien. Twelve Capital verwaltet rund 4 Mrd. CHF für vorwiegend institutionelle Kunden. Twelve Capital beschäftigt 50 Mitarbeiter in Zürich und London. Vor der Gründung von Twelve Capital im Jahre 2010 hatte Urs Ramseier bei Horizon21 das ILS-Geschäft aufgebaut. Davor war er bei Credit Suisse und Lombard Odier in Zürich, London, Genf sowie Hong Kong in der Kredit- und Aktienanalyse und im Portfolio Management tätig.

 

Urs Ramseier, was bedeutet für Sie Erfolg?

Erfolg bedeutet für mich, eine scheinbar unüberwindbare Schwierigkeit zu meistern: beispielsweise während einer Periode schlechter Anlagerenditen die Kunden zu behalten, bei einem Marathon bei Kilometer 30 weiterzulaufen oder beim Bergsteigen eine schwierige Schlüsselstelle zu durchsteigen. Viel wichtiger als Erfolg zu haben ist jedoch zu lernen, mit Misserfolgen umzugehen: ein Investment entwickelt sich nicht wie erwartet, ein Projekt muss gestoppt oder eine Bergtour kurz unter dem Gipfel abgebrochen werden. Hinterher ist es mir wichtig, solche Situationen mit den involvierten Personen – im Team, mit Freunden – zu besprechen und daraus zu lernen.

Was war in Ihrem Leben die beste berufliche Entscheidung?

In die Finanzindustrie zu gehen. Ich hatte nach dem Studium eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen und habe erst relativ spät in die Privatwirtschaft gewechselt. Ich erachte keine andere Industrie als so vielseitig wie die Finanzindustrie und sehe hier sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten. Jeder Tag ist anders an den Märkten, und doch sind langfristige Trends der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen massgeblich.

Welches sind Ihrer Ansicht nach die Erfolgsfaktoren im Asset Management?

Der wichtigste Erfolgsfaktor im Asset Management ist das Kundenvertrauen zu gewinnen und zu erhalten. Die Kunden erwarten von uns, dass wir über einen Zeithorizont von drei, fünf oder zehn Jahren die erwarteten Renditen erzielen. Insbesondere in spezialisierten Sektoren verwalten sie ihr Geld nicht selber, sondern vertrauen dies einem externen Spezialisten zur aktiven Verwaltung an. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle, vor allem dann, wenn einmal ein Fehler unterlaufen oder etwas nicht planmässig erfolgen sollte. Insbesondere dann sind ehrliche und offene Kommunikation sowie volle Transparenz unerlässlich.

Was würden Sie einem jüngeren Einsteiger in die Asset Management Industrie empfehlen?

Wer denkt, er könne im Asset Management schnell viel Geld verdienen, ist fehl am Platz. In erster Linie betreuen wir Gelder von Menschen, welche ein Leben lang sparen, um im Ruhestand finanziell abgesichert zu sein oder bereits im Ruhestand sind und von den erzielten Renditen leben. Ein guter Asset Manager muss über einen längeren Zeithorizont gute Anlagerenditen erzielen oder über ausgezeichnete Kundenkontakte verfügen. Es ist aber auch unabdingbar, sich konstant mit dem gesellschaftlichen und technologischen Wandel auseinander zu setzen, da sich die Asset Management Industrie kontinuierlich verändert – Stichworte: Fintech, Blockchain, etc.

Was macht einen guten Portfolio Manager aus?

Im Portfolio Management zählt nebst Fachwissen, harter Arbeit und intellektueller Neugier vor allem die Erfahrung. Ein guter Portfolio Manager hat während verschiedenster Marktzyklen Portfolios verwaltet. Es ist wie bei einem guten Wein: über die Jahre wird er immer besser.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am meisten Spass?

Die Zeit, mit Kunden und Kollegen über Anlageideen zu diskutieren. Dabei lerne ich jedes Mal wieder etwas dazu. Ausserdem ist es spannend, junge Mitarbeiter auf ihrem Entwicklungsweg zu unterstützen.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Im Jahre 2010 haben wir ein eigenes Unternehmen gegründet. Die Hauptmotivation war die finanzielle und unternehmerische Unabhängigkeit. Dies erlaubt uns, langfristig zu denken, sowohl bei strategischen Entscheiden als auch bei Anlageentscheidungen. Als Unternehmer im Bereich Asset Management verfolge ich dieselben Ziele wie meine Kunden, nämlich eine langfristig nachhaltige Anlagerendite zu erzielen.

Wenn Sie ein Land aussuchen könnten, wo würden Sie am liebsten wohnen?

In der Schweiz. Ich habe viele Jahre im Ausland gelebt und bin beruflich viel unterwegs. Es gibt viele schöne und aufregende Orte auf der Welt. Die Schweiz bietet eine sehr hohe Lebensqualität: eine einzigartige Kombination von landschaftlicher Schönheit, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und einem sehr hohen Niveau der Infrastruktur im Bereich Bildung, Gesundheit und Verkehr.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Bei meiner Familie. Zudem treibe ich regelmässig Sport: Trainings und Wettkämpfe auf der Halbmarathon- und Marathondistanz sowie Bergläufe halten mich fit für die Ski- und Bergtouren, welche ich regelmässig unternehme. Beim Bergsteigen muss man zwangsläufig Abschalten vom Geschäft: man konzentriert sich auf den nächsten Schritt oder den nächsten Griff.

Welches Buch lesen Sie gerade?

«The Future is Asian» von Parag Khanna. Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von der Integration der asiatischen Länder, insbesondere Chinas, in die Weltwirtschaft. Ein riesiges Heer von billigen Arbeitskräften produziert heute Güter zu viel tieferen Kosten als zuvor. Zukünftig wird aber auch die stärkste Innovations- und Finanzkraft aus Asien kommen. Die Hegemonie der westlichen Welt neigt sich dem Ende zu. Asien ist jedoch keine einheitliche Wirtschaftsmacht, sondern sehr vielfältig und vielschichtig.

Welches ist Ihr Lieblingsessen oder Lieblingsgetränk?

Ich bin ein passionierter Weinliebhaber. Ich bin immer wieder neugierig, neue Weine und Produzenten zu entdecken. Es gibt auf der ganzen Welt unglaublich viele qualitativ hochstehende Weine, welche von Menschen mit grosser Leidenschaft produziert werden. Die Weinbaugebiete im französischen Rhonetal und im Burgund haben jedoch die längste Tradition im Anbau von Top-Weinen und sind daher immer noch die Messlatte.

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