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«Es bleibt spannend im Asset Management.»

 

Sven Württemberger
DWS

Sven Württemberger verantwortet seit 2017 den Vertrieb für passive Produkte in der Schweiz und in Israel. Zudem leitet er den Vertrieb von aktiven Produkten an Banken. Zuvor war er acht Jahre bei BlackRock Asset Management in verschiedenen Positionen für den Vertrieb von iShares ETFs in Deutschland und der Schweiz zuständig. 2009 arbeitete Sven Württemberger für die Deutsche Bank in der Entwicklung von strukturierten Produktlösungen für den institutionellen Vertrieb und war zuvor bis 2006 für eine internationale Unternehmensberatung tätig. Sven Württemberger verfügt über einen MBA in International Finance der Helsinki School of Economics und der Universität St. Gallen sowie einen Bachelor in Finance der Bristol Business School in Grossbritannien. Er lebt bei Zürich, ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von vier und sieben Jahren.

 

Sven Württemberger, was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Sicherlich war es eine gute Entscheidung, sich bereits 2008 auf passive Investment-Bausteine zu fokussieren: Bis dahin lag mein Schwerpunkt auf strukturierten Produktlösungen. Diese haben für mich zwar nicht an Reiz verloren; der Charme eines eigentlich recht simplen Produkts, das sehr vielfältig eingesetzt werden kann, hat mich schnell überzeugt. Dass ich heute auch in der Verantwortung für traditionelle aktive Fondslösungen stehe, war ein logischer nächster Schritt und komplettiert meinen Blick auf die Welt der Anlageprodukte. Zudem macht es auch aus Kundensicht viel Sinn, sich den Anlagekonzepten holistisch zu nähern und Entscheidungen aus einer Asset Allokation-Perspektive zu treffen. Denn Produkte sind und bleiben Bausteine für ein angewandtes Portfoliomanagement. Letztendlich hilft mir diese Erfahrung, Kunden und Anleger ganzheitlich zu beraten. Dank meines beruflichen Werdegangs schlagen nun also sozusagen zwei Herzen in meiner Brust – eines für aktive und eines für  passive Investment-Bausteine.

Haben Sie jemals eine berufliche Entscheidung bereut?

Natürlich haben sich manche Entscheidungen im Nachhinein als falsch erwiesen – glücklicherweise gab es hiervon nicht allzu viele. Zudem stellt man oft im Rückblick fest, dass selbst weniger gut getroffene Entscheidungen notwendig waren, um innezuhalten und zu reflektieren. Darüber hinaus resultierte fast immer etwas Positives daraus. Ich stehe also dazu, Fehler zu machen. Denn man gewinnt ihnen letzten Endes immer etwas ab – sie gehören zum Leben einfach dazu und helfen einem, die Füsse fest auf dem Boden zu behalten.

Was treibt Sie an?

Wir haben das Glück, in einer Industrie zu arbeiten, die massgeblich das wirtschaftliche  Geschehen der Welt beeinflusst und sich stets im Wandel befindet. Täglich kommen neue Informationen und Kenntnisse, aber auch Herausforderungen auf uns zu, denen es sich zu stellen gilt. Oftmals kommt auch Unerwartetes dazu, was schnelles taktisches Reagieren erfordert, aber auch langfristige strategische Entscheide mit weiter Tragkraft mit sich bringt. Dies definiert für mich den Spannungsbogen im Asset Management. Hinzu kommt, dass wir in der Schweiz massgeblich Trends für die Industrie setzen können – dieses innovative Arbeiten schätze ich sehr.

Welche Ziele verfolgen Sie – beruflich wie privat?

Das grösste Ziel für mich ist, wie sicherlich für viele Personen, Beruf und Privates in Einklang zu bekommen. Für mich geht dies nur, indem ich keine zu harte Grenze ziehe zwischen meinem Berufs- und Privatleben – vielmehr ist es ein fliessender Übergang. Viele Faktoren unserer Tätigkeiten beruhen auf Kommunikation und Zusammenarbeit mit Menschen. Das ist in beiden Bereichen identisch und macht es mir oft leichter, meine Ziele gemeinsam mit den Menschen in meinem Umfeld zu verfolgen respektive zu erreichen.

Welche Frage würden Sie Warren Buffet stellen, wenn Sie mit ihm zum Nachtessen verabredet wären?

Gerne würde ich es auf einen Versuch ankommen lassen und ihn in seiner Anlagestrategie beraten. Ich weiss, das klingt jetzt sicher etwas vermessen, aber es geht mir insbesondere um seine Aussage, dass nach seinem Ableben 90% des seiner Frau hinterlassenen Kapitals in einen Indexfonds mit sehr niedrigen Kosten auf den S&P 500 investiert werden sollen. Dies teile ich natürlich zu einem grossen Teil, aber dennoch würde ich Warren Buffett gerne zusätzlich von der einen oder anderen aktiven Fondslösung aus dem Nachhaltigkeitsbereich überzeugen wollen.

Welchen Stellenwert haben soziale Medien bei Ihnen?

Soziale Medien spielen eine zunehmend wichtige Rolle für mich, insbesondere unter beruflichen Aspekten. Sie sind zu einem unerlässlichen Kommunikations- und Informationsmedium geworden. Allerdings sollte man die nötige Ernsthaftigkeit und Sorgfalt beachten, besonders was die eigene Aktivität angeht – mehr ist nicht immer gleich besser.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management oder Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Ich würde ihm raten sich wie ein Marathonläufer zu verhalten und nicht in kurzfristige Sprints zu verfallen, wenngleich ich gesunden Eifer und Ehrgeiz sehr schätze. Eine Karriere im Asset Management ist meiner Meinung nach nur dann erfolgreich, wenn sie langfristig ausgelegt ist. Weitsicht und ein Gesamtverständnis der Geschäftsprozesse, gute Kommunikations­fähigkeiten und eine starke Sozialkompetenz sowie gesunde Selbsteinschätzung zeichnen aus meiner Sicht junge Talente aus.

Bestes Anti-Depressivum?

Zu gerne würde ich an dieser Stelle den französischen Rotwein nennen, aber natürlich ist es vielmehr der sportliche Ausgleich, den ich oft in der Natur und vor allem in den Bergen suche. Ab und an lasse ich mich dann allerdings doch auch zu einer guten Zigarre hinreissen.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Die Strecke Zürich–Genf, die ich oft fahre, fasziniert mich beispielsweise immer wieder, insbesondere wenn man am Lac Léman entlangfährt. Hier geniesse ich ganz klar die Aussicht auf diese unglaubliche Landschaft, die wohlverdient zum Weltkulturerbe zählt. Zürich–London gestaltet sich aus Mangel dieser Attraktionen deutlich nüchterner. Auf dieser Strecke arbeite ich meistens und beschäftige mich oft mit konzeptionellen Themen.

Wie oft schauen Sie täglich auf Ihr Handy?

Da erwischen Sie mich jetzt. Mein Team hätte hier eine ganz klare Aussage: viel zu oft. Ich lese leider viel zu häufig E-Mails und eine schnelle Antwort ist mir nach wie vor heilig.

Was ist für Sie im Alter wichtiger, was weniger wichtig?

Das kann ich nur schwer einschätzen, da sich die Bedürfnisse im Laufe der Zeit sicherlich noch ändern werden und nicht absehbar sind. Zudem ist Alter heute ja auch eine Interpretationsfrage: Ist nicht 60 das neue 40 gemäss Werbeslogan einer erfolgreichen Bank aus der Schweiz? Spass bei Seite: natürlich geht es hier um langfristige Gesundheit, finanzielle Absicherung und ein positiv geprägtes Miteinander unter Menschen. Unwichtiger sollte mir im Alter hoffentlich mein Handy werden.

Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Mobiltelefon?

Zurzeit ein abstraktes Bild von Gerhard Richter, da ich mich für zeitgenössische Kunst interessiere. Allerdings habe ich einen solchen Hintergrund meistens nur so lange bis meine Söhne das Telefon wieder in die Hände bekommen. Dann kann es schon passieren, dass sich das neuste Legobild im Hintergrundbild befindet.

 

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