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«An den Kapitalmärkten spiegeln sich die Trends der Gesellschaft.»

 

Stephan Kamps
Baloise Asset Management

Stephan Kamps leitet seit 2017 das Portfoliomanagement im Baloise-Unternehmens­bereich «Asset Management». Er startete seine Karriere im Asset Management der Winterthur Versicherung und war danach unter anderem als Unternehmer im Asset Management tätig. Mit seinen Teams verantwortet er im Tagesgeschäft einerseits die Anlage der Bilanzmittel der Baloise-Versicherungsgruppe sowie anderseits alle Anlagen von externen Kunden. Daneben engagiert er sich als Mitglied der Geschäfts­leitung aktiv bei der Weiterentwicklung des Baloise Asset Managements. Dieses vereint die Erfahrung und Expertise von rund 80 Investment-Spezialisten, um Privatanlegern, institutionellen Investoren und Pensionskassen entsprechend deren individuellen finanziellen Zielen ein vielfältiges Dienstleistungs- und Produkteangebot anzubieten.

 

Stephan Kamps, was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

2006 gab es einen grossen beruflichen Wendepunkt in meinem Leben. Durch die Übernahme meines damaligen Arbeitgebers durch einen französischen Versicherer stellte sich rasch heraus, dass es das Asset Management in der ursprünglichen Form nicht weiter geben wird. Diese Chance habe ich genutzt und konnte den damaligen CIO davon überzeugen, unser über Jahre aufgebautes, spezialisiertes Knowhow im Asset Management nicht einfach versanden zu lassen, sondern eine eigene, unabhängige Asset-Management-Gesellschaft zu gründen. Offiziell gestartet sind wir dann 2007 – genau vor der Finanzkrise. Die breiten Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln konnte, helfen mir heute sehr bei meiner aktuellen Aufgabe, Baloise Asset Management zu einem der bedeutendsten Asset Manager in der Schweiz weiterzuentwickeln.

Was treibt Sie an?

Ich entwickle gerne Neues und baue mit Freude Dinge auf – am liebsten im Team.

Die Finanzmärkte und insbesondere das Asset Management bieten hierfür das ideale Betätigungsfeld für mich. Die Asset-Management-Industrie befindet sich aktuell mit Trends wie etwa der zunehmenden Digitalisierung, Automatisierung und neuen Geschäftsmodellen in einem tiefgreifenden Wandel. Es macht mir Freude, die damit verbundenen Veränderungen bei der Baloise aktiv mitzugestalten.

Was war Ihre grösste Herausforderung in Ihrer bisherigen Laufbahn?

Die grösste Herausforderung war sicher, kurz vor der Finanzkrise mit dem Aufbau eines unabhängigen und vollständig regulierten Asset Managers zu starten. Dabei haben wir aus dem Nichts ein Unternehmen aufgebaut und Kundengelder während einer der grössten Wirtschaftskrisen verwaltet. Das war eine sehr lehrreiche und intensive Zeit.

Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort «erfolgreich» hören?

Mir kommt da keine einzelne Person in den Sinn, sondern eher ein Typ Mensch. Meistens sind es Menschen, die eine Passion für das haben, was sie tun. Menschen, die sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen, sondern dran bleiben und so über die Zeit sehr gut in dem werden, was sie machen. Meist sind genau diese Menschen auch sehr erfolgreich in ihrem Tun.

Welche Leitsätze/Führungsprinzipien verfolgen Sie?

Mir gefällt das Wort Führungsprinzipien nicht wirklich. Für mich impliziert es, dass Mitarbeitende grundsätzlich geführt werden wollen oder sogar geführt werden müssen. Aus meiner eigenen Erfahrung ist das nicht so. Wir arbeiten in einer sehr knowhow-intensiven Branche mit sehr gut ausgebildeten Leuten. Unsere Mitarbeitenden haben deshalb zu Recht den Anspruch, aktiv mitgestalten zu können. Es geht also – innerhalb einer gesetzten Strategie – mehr um eigenverantwortliches Handeln denn um direkte Führung im Alltag. Ich sehe meine Aufgabe deshalb darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder möglichst eigenverantwortlich einen Beitrag zur Strategieumsetzung leisten kann. Dazu braucht es meiner Meinung nach ein Umfeld, in dem alle respektvoll miteinander umgehen und in dem eine vertrauensvolle Atmosphäre herrscht. Das schafft die Basis für eine offene und ehrliche Zusammenarbeit, in der jeder seine Fähigkeiten voll einbringen kann. Das ist mein Leitprinzip und in der Baloise auch konzernweit gelebte Praxis.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Mich haben die Kapitalmärkte und besonders die Aktienmärkte schon sehr früh fasziniert. Dieses Interesse hat dann den Ausschlag für meine Studienwahl Volkswirtschaft gegeben. Kapitalmärkte sind für mich ein Spiegel von Trends und Veränderungen in den jeweiligen Gesellschaften. Solche Trends zu erkennen und über den Kapitalmarkt davon zu profitieren, hat mich immer gereizt. Es war mir dann sehr schnell klar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen wollte.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Die Familie ist quasi immer ein Ausgleich. Daneben bewege ich mich gerne – im Sommer heisst dies schwimmen im See oder joggen und im Winter meistens skifahren.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Ich glaube, den einen Weg ins Asset Management gibt es nicht. Das ist der Vorteil gegenüber anderen Tätigkeiten, wie zum Beispiel der Medizin. Arzt ist man oder man ist es eben nicht. Ich habe aber schon sehr viele Ärzte kennengelernt, die später als Analyst oder Portfolio Manager im Asset Management gearbeitet haben… Heutzutage schadet es aber sicher nicht, eine naturwissenschaftlich oder technisch geprägte Ausbildung zu haben und diese später durch fachspezifische Weiterbildungen zu komplementieren. Unsere Industrie wird immer reifer und Technologie spielt in der gesamten Wertschöpfungskette eine immer grössere Rolle. Folglich werden Analysten und Portfolio Manager immer mehr mit anderen Bereichen der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. Das verlangt nach Teamfähigkeit und Sozialkompetenz.

Wofür sind Sie dankbar?

Beruflich hatte ich bisher das Glück, genau das machen zu können, was mich interessiert hat. Dabei habe ich viele spannende Persönlichkeiten getroffen, von denen ich lernen konnte. Dafür bin ich dankbar. Aber auch dafür, dass meine Kinder in einem Land wie der Schweiz aufwachsen können und dadurch viele Möglichkeiten haben.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Oft arbeite ich im Zug an Präsentationen, da ich zu der Zeit wenig abgelenkt werde. Aber natürlich gibt es auch immer etwas zu lesen oder ich lasse die Gedanken schweifen. So ist schon die eine oder andere Idee für etwas Neues entstanden.

Was war Ihr liebstes Schulfach?

Mein Lieblingsfach waren die Sozialwissenschaften. Dort haben wir jeweils aktuelle Themen wie beispielsweise Abrüstungsverträge behandelt. Ich bin zu einer Zeit in die Schule gegangen, in der gegen die Stationierung von «Pershing II»-Raketen in Deutschland demonstriert wurde. Im Fach Sozialwissenschaften wurden solche Themen mit Inhalt gefüllt und greifbar gemacht.

Wenn Sie ein Land aussuchen dürften: Wo würden Sie am liebsten leben und wieso?

Wenn ich es aussuchen dürfte, müsste es ein Land mit einer schönen Meeresküste sein. Ich bin generell gerne am, im oder auf dem Wasser. Da ich ein Fan von Europa bin, wäre es mit Sicherheit ein Land an der europäischen Mittelmeerküste.

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