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«Die Fähigkeit, das zu halten, was den Investoren versprochen wurde, erachten wir als einen guten Massstab für Erfolg.»

 

Paul Schibli
Mirabaud Asset Management

Paul Schibli ist ein unbestreitbarer Experte für Schweizer Aktien und arbeitete in seiner 30-jährigen Karriere für verschiedene renommierte Unternehmen. Heute leitet Paul Schibli erfolgreich das Swiss Equities Team von Mirabaud Asset Management. Der Unternehmensbereich zielt darauf ab, Investoren eine fokussierte Palette von aktiv verwalteten Anlagelösungen anzubieten sowie gleichzeitig Anlagetalente anzuziehen und zu halten. Zusätzlich zu seiner Verantwortung als Team-Leiter ist er direkt für das Management einer der wichtigsten Anlagelösungen des Hauses verantwortlich: den Mirabaud – Equities Swiss Small and Mid.  Bevor Paul Schibli zu Mirabaud kam, war er Leiter Aktien Schweiz bei Deutsche Asset and Wealth Management DWS, zu welcher er 2002 von der Zurich Insurance kam, wo er als Head of Swiss Equities, Portfoliomanager und Analyst tätig war. Frühere Erfahrungen sammelte er bei UBS und Swiss Trust Company, bei der er 1986 seine Karriere begann. Paul Schibli hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften der Universität Zürich und ist Mitglied der AIMR und der SFAA.


Paul Schibli, was ist für Sie Erfolg?

Wir sind im Relative-Value-Segment zuhause, also gefordert, eine gesetzte Benchmark zu übertreffen. Das Spezielle besteht darin, die Messlatte auf risikoadjustierter Basis systematisch zu schlagen und gleichzeitig einem vorgegebenen Anlagestil treu zu bleiben. Die Fähigkeit, das zu halten, was den Investoren versprochen wurde, erachten wir als einen guten Massstab für Erfolg. Erfolg erfordert und impliziert auch eine gewisse Portion Glück, denn dieses erleichtert das Erzielen der versprochenen Ergebnisse. Ich glaube, dass es Mirabaud Asset Management gelungen ist, diesen positiven Geist über die Jahre hinweg aufrecht zu erhalten.

Was war Ihre grösste Herausforderung am Anfang Ihrer Karriere?

Wenn du jung bist, bist du ehrgeizig, hungrig und begierig darauf, die Karriereleiter emporzuklimmen. In diesem Zusammenhang ist die richtige Balance zwischen Beruf, Freunden und Familie wahrscheinlich die grösste Herausforderung, die es zu meistern gilt.

Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort erfolgreich hören?

Definitiv Roger Federer. Im Sport ist er inspiriert und zählt im Alter von 37 Jahren immer noch zu den besten Spielern weltweit. Gut gemacht! Er ist ein Vorbild, das die Werte Ehrgeiz, Ehrlichkeit, Entschlossenheit und harte Arbeit vermittelt, mit denen sich die Jüngeren identifizieren sollten. Diese Wahrnehmung und Aura ist nicht nur im Tennis- und Sportzirkus präsent, sondern auch auf internationaler Ebene und brachte die Schweiz an die Spitze der Szene. Dieser aussergewöhnliche Charakter ist zu einem Botschafter der Schweiz geworden und der Werte, die das Land gegenüber der internationalen Gemeinschaft verkörpert. Chapeau!

Auf welchen Werten beruhen Ihre täglichen Handlungen, Entscheidungen, Pläne?

Sie folgen dem Anlageentscheidungs-Prozess, den ich im Laufe der Jahre etabliert habe. Ich versuche so weit wie möglich Modeerscheinungen und Konsens zu ignorieren und den Ansatz zu verfolgen, der sich im Laufe der Jahre bewährt hat, wobei ich mich klar auf Werterhalt und Kundenzufriedenheit konzentriere. Jene Portfoliomanager, die das Kapital der Anleger erhalten können und damit das so genannte Short-Fall-Risiko zu eliminieren wissen, werden als Gewinner hervorgehen.

Welche Leitsätze/Führungsprinzipen verfolgen Sie?

In meinem täglichen Leben versuche ich, Gelder rational und nicht emotional zu verwalten. Es ist, wie es ist – ich kann es nicht ändern: Man soll sich nie in eine Aktie oder eine Idee verlieben. Investieren bedeutet, die Verantwortung für das Risiko zu übernehmen, bis es auf einen Käufer übertragen werden kann, der eine andere Vorstellung zur entsprechenden Aktie und deren Besonderheiten hat. Ich glaube fest an das Momentum, aber wie bereits erwähnt erfordert eine solche Positionierung einen sehr rigorosen Ansatz zur Reduktion von Verlusten. Ich liebe auch Wachstum, und weil die Bewertungen oft nicht so wichtig sind, bin ich bereit, für Qualität zu bezahlen.

Welche Frage würden Sie Warren Buffet stellen, wenn Sie mit ihm zum Nachtessen verabredet wären?

Sollte ich das Glück haben, eine so bedeutende Persönlichkeit der Anlagewelt zu treffen, wäre ich neugierig, Antworten auf die folgenden Fragen zu erhalten: Wie können Sie ein nicht-rentables Investment über einen so langen Zeitraum halten, ohne Ihre Überzeugung zu ändern oder emotional involviert zu sein? Und weiter: Glauben Sie, dass das unterdurchschnittliche Abschneiden im jüngsten und langen Investitionszyklus auf die Informationslücke zurückzuführen ist, die sich seit Beginn des Jahrtausends geschlossen hat, weil Verbesserungen der IT und als Folge davon die Qualität im Aktien-Research stieg? Oder erwarten Sie etwa eine beträchtliche Marktkorrektur, um mit Ihrem Ansatz den Markt wieder zu übertreffen?

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Ich liebe es, Sport zu treiben, um gesund und wach zu bleiben. Im Winter begebe ich mich gerne in die schöne Schweizer Bergwelt und fahre, wie viele meiner Mitbürger, mit Freude Ski. Im Sommer gehe ich joggen und fahre Velo. Golfspielen ist auch eine Aktivität, die mir besonders gefällt, da das Spiel Geduld und Demut erfordert – zwei der Schlüsselattribute innerhalb des Portfoliomanagements. Ich versuche, mein Interesse am Sport so gut wie möglich mit meiner Liebe zum Reisen zu verbinden, die den Kontakt zu neuen Kulturen und Menschen fördert und allgemein zu einer Aufgeschlossenheit beiträgt, die sonst schwer zu erreichen ist.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Das ist eine sehr knifflige Frage, denn jeder Mensch ist anders. Ich würde empfehlen, dass er seinen eigenen Investment-Stil findet und weiterverfolgt, was bis zu einem gewissen Grad mit Kunstfertigkeit vergleichbar ist. Es gibt heute viele verschiedene Anlageansätze. Einige werden zu Growth oder Value tendieren, andere werden Momentum-getrieben sein und wiederum andere werden sich dafür entscheiden, konträr zu agieren. In Tat und Wahrheit gibt es keinen guten oder schlechten Ansatz, sondern einfach verschiedene. Sie reagieren auf eine Vielzahl von Kundenprofilen und Marktsituationen. Wichtig ist bei jedem Ansatz, konsequent zu agieren und bescheiden zu bleiben.

Was ist für Sie im Alter wichtiger, was weniger wichtig?

Ich habe den Luxus, mich in einem professionellen Umfeld entwickeln zu können, das zudem von einem starken Unternehmergeist geprägt ist und ein gewisses Mass an Freiheit bietet, während ich ein aktives Fondsmanagement implementieren darf. Gesundheit ist natürlich auch ein zentrales Anliegen – für uns alle. Was mich weniger interessiert, ist die Meinung anderer Menschen über mich.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich habe schon sehr viel gelesen und lese immer noch stundenlang Analystenkommentare, Mails, Zeitungs- und Fachartikel über neue Anlagetrends und Themen. Folglich habe ich nicht viel Zeit für Belletristik. Ich bewahre allerdings viele gute Bücher für meinen Ruhestand auf...

Was war Ihr liebstes Schulfach?

Das ist ja schon eine ganze Weile her… Damals genoss ich den Geografie-Unterricht und das Fach Geschichte sehr, da ich immer gerne zugehört habe, um etwas über unsere Evolution, andere Kulturen und Ereignisse zu lernen, welche die Welt, in der wir uns befinden, prägen. Obwohl anspruchsvoller, genoss ich auch den naturwissenschaftlichen Unterricht. Dies hing natürlich von den Lehrern und deren Leidenschaft ab, wie sie Inhalte zu vermitteln vermochten. Wie immer basiert jeder Austausch und auch jedes unternehmerische Handeln auf Menschen. Wir befinden uns in einem "people's business".

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