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«Die weitaus beste Investition, die man tätigen kann, ist jene in sich selbst.»

 

Patrick Zbinden
EFG Asset Management

Patrick Zbinden ist Co-Head von EFG Asset Management und CEO der Schweizer Unit. Das Unternehmen ist in fünf Jurisdiktionen tätig und verwaltet mehr als 22 Mrd. CHF an Vermögenswerten für private und institutionelle Kunden mittels Mandaten oder über die eigene Boutique New Capital Funds.

 

Patrick Zbinden, was ist für Sie Erfolg?

Erfolg bedeutet nicht viel, wenn er auf bestehendem sozialem oder finanziellem Status beruht. Für mich ist Erfolg streben und zudem mehrdimensional. Er bedeutet, sich auf Aktivitäten einzulassen, für die man sich leidenschaftlich engagiert und bei denen man sich auszeichnet Sie sollen auch sinnvoll sein und der Gesellschaft einen Mehrwert bringen und – auch dies – ein angenehmes Leben ermöglichen. Japaner bezeichnen dies mit «Ikigai». Nur wenige Menschen können im Beruf all diese Kriterien vereinen. Wer dies kann, darf sich selbst wohl als erfolgreich bezeichnen. 

Haben Sie jemals eine berufliche Entscheidung bereut?

Ich versuche, es nicht zu tun. Nur wenige Entscheidungen sind offensichtlich falsch oder richtig – und das sind in jedem Fall die leicht zu treffenden. Für alle anderen werden Sie die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen erst im Nachhinein erkennen, und Sie werden nie wissen, welche Folgen die alternativen Entscheidungen gehabt hätten, welche Sie nicht getroffen haben. Ich ziehe daher die Selbstbestimmung dem Bedauern vor. Wenn Sie mit dem Ergebnis einer Entscheidung unzufrieden sind, treffen Sie einfach eine andere. Zu oft warten Menschen zu lange mit einer Entscheidung oder handeln nicht, nachdem sie eine schlechte Entscheidung getroffen haben. Ein Prinzip nach Versuch und Irrtum ermöglicht ein schnelleres Vorankommen und führt sehr wahrscheinlich zu einem besseren Ergebnis.

Welche Leitsätze/Führungsprinzipen verfolgen Sie?

Ich glaube an eine Kultur des Vertrauens und der Befähigung, mit klaren Organisationsstrukturen, aber begrenzter Hierarchie. Führung sollte sich eher durch Vorbild als durch Autorität manifestieren. Die Qualität der Ideen sollte immer Vorrang vor der Politik haben, und strategische Ziele immer über alltäglichen Problemen stehen. Arbeitsstrukturen und -prozesse sollten agil sein, und Innovation die treibende Kraft. Führungspersönlichkeiten sollten ihre Teams motivieren und in die Lage versetzen, Leistung zu erbringen. Sie selber sollten sich auf die Umsetzung konzentrieren.   

Welche Frage würden Sie Warren Buffet stellen, wenn Sie mit ihm zum Nachtessen verabredet wären?

Es gäbe da Vieles zu fragen. Vor kurzem las ich seine Antwort auf die Frage, was denn seine Investition war. Er meinte daraufhin, dass die weitaus beste Investition, die man machen kann, jene in sich selbst sei. Das hielt ich für eine sehr gute Antwort.

Welche Probleme sollten Politik und Behörden rasch angehen?

Die Schliessung von Ungleichheits-Lücken, die Lösung von Umweltproblemen und die Anpassung an transformatorische Technologie-Veränderungen werden die grossen Herausforderungen dieses Jahrhunderts sein, da sie Auslöser für so ziemlich alle anderen ernsthaften Probleme sind. Dies wird tiefgreifende Veränderungen in unserem kollektiven Denken und Verhalten erfordern. Politiker und Behörden werden kaum sehr schnell agieren, aber sie sollten sich darauf konzentrieren, Rahmenbedingungen zu schaffen und Massnahmen zu ergreifen, womit die Meta-Herausforderungen angegangen werden können.

Wie heisst Ihr liebstes Reiseziel?

Es ist zu schwierig, bloss eines auszuwählen. Meine Frau und ich sind aktiv unterwegs und besuchen gerne neue Orte. Was die Natur und die Landschaft betrifft, so sind unsere Lieblingsziele Namibia, Grönland und Galapagos, was die Menschen angeht Kuba und Myanmar, für das Essen Südeuropa und Japan, für Reisen auf der Strasse Neuseeland, Hawaii und Kanada, und zur Entspannung für eine Woche würden wir uns für eine griechische Insel oder die Malediven entscheiden. Für alles andere und als vielseitiger Ort zum Leben und Sein ist allerdings die Schweiz definitiv schwer zu schlagen.

Was ist für Sie im Alter wichtiger, was weniger wichtig?

Dankbar zu sein für das, was man hat, und dafür, wo man lebt, für die Menschen in seinem Leben sowie dafür, dass man gesund ist und den gegenwärtigen Augenblick geniessen kann. Ich erkannte, dass Geben und Teilen wichtig sind – Aspekte, die ich als junger Erwachsener nicht so sehr verstanden habe wie jetzt. Mit zunehmendem Alter versuche ich mein Leben zu vereinfachen, indem ich mich weniger um die kleineren Dinge kümmere Meine Aufmerksamkeit wird selektiver, wodurch auch die frustrierenden Momente an Gewicht verlieren. Zunehmend lege ich mehr Wert auf Erfahrungen als auf Besitz.

Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?

Leider auf mein Smartphone. Ich wünschte mir, auf diese Frage eine andere Antwort geben zu können – aber ich arbeite daran… Lernen wäre vielleicht noch ein Punkt. Ich könnte wahrscheinlich nicht lange sein ohne zu lernen. Ob es sich um kleinere oder grössere Dinge handelt: Lernen ist der Motor des Lebens.

Bestes Anti-Depressivum?

Golf und Wein. Vorzugsweise in dieser Reihenfolge!

Welches Buch lesen Sie gerade?

Weil ich dazu neige, meine Bücher an Flughäfen zu kaufen, habe ich schon lange keines mehr beschafft. Ich habe daher die Gelegenheit genutzt, einige Bücher, die ich brillant finde und die mich zum Nachdenken anregen, noch einmal zu lesen. «Factfulness» von Hans Rosling etwa gibt durch Fakten und Zahlen eine ganz andere Perspektive auf die Welt. Und «You are the Universe» von Deepak Chopra und Menas Kafatos hinterfragt die üblichen Definitionen von Ursprung und Bedeutung des Bewusstseins an der Schnittstelle von Wissenschaft und Spiritualität.

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