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«Grosse Taten können nur mit den besten Talenten vollbracht werden.»

 

Patrick Sege
Vontobel Asset Management

Patrick Sege agiert als Head Sustainable & Thematic Sales für Intermediäre bei der Vontobel Asset Management AG in Zürich. Zuvor war er für den amerikanischen Asset Manager Affiliated Managers Group (AMG) tätig. Dort war der promovierte Ökonom Länderchef für die Schweiz, Österreich sowie Liechtenstein und in dieser Funktion für Geschäftsentwicklung und Pflege der Kundenbeziehungen verantwortlich.

 

Patrick Sege, was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

In der Vertriebsleitung eines Asset Managers tätig zu sein, erlaubt es mir, die klare Struktur finanztheoretischer Modelle mit der menschlichen, behavioristischen Komponente zu kombinieren. Als Student hatte ich BWL gewählt und mich daher mit Zahlen immer wohlgefühlt. Finanzmarkttheorien kommen jedoch nicht ohne Berücksichtigung der menschlichen Psyche aus, die einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Märkte hat – so wie es etwa die Behavioral Finance erforscht. Modelle ohne Mensch sind in der Wirtschaft problematisch. Dies hat zuletzt die Finanzkrise 2008 gezeigt, als sich viele Finanzmarktakteure und Führungspersonen noch an die absolute Richtigkeit statistischer Modelle klammerten, obwohl menschliches Verhalten sie schon bereits relativiert hatte. Ausserdem können wir im Asset Management dazu beitragen, die finanziellen Bedürfnisse einer immer älter werdenden Bevölkerung zu adressieren. Pensionskassen sind auf eine nachhaltige und leistungsstarke Verwaltung ihrer Vermögen angewiesen, um den Ansprüchen ihrer Destinatäre nachzukommen und ihnen einen angemessenen dritten Lebensabschnitt zu ermöglichen. Hier können wir einen echten Mehrwert schaffen.

Was ist für Sie Erfolg?

Für mich bemisst sich beruflicher Erfolg im Erreichen ambitiös gesteckter Ziele. Dabei bin ich ein grosser Freund klar greifbarer und messbarer Ziele, denn sie erlauben wenig Spielraum für Interpretation und sind so in ihrem Zweck eindeutig. Ist die Zielsetzung klar, so sind Erfolg und Misserfolg abgrenzbar. Das heisst zwar, dass Misserfolg nicht zu vertuschen ist, es heisst aber auch, dass der Erfolg unanfechtbar ist, was eine ebenso klare Belohnung fordert. Im Privaten sehe ich es etwas anders. Hier geht es für mich vor allem darum, mich nicht an einzelnen Tagen zu orientieren, die bezüglich Glücksempfinden naturgemäss stark variieren können. Vielmehr strebe ich an, in jeder Lebensphase grundsätzlich glücklich und mit mir selbst im Reinen zu sein.

Was treibt Sie an?

Was mich als leistungsorientierten Typ insbesondere anspornt, ist kontinuierlich Herausforderungen zu meistern und Ziele zu erreichen. Einer meiner grössten Motivationsfaktoren hierbei besteht darin, Ergebnisse zu liefern, die für uns als Firma und unsere Teammitglieder gleichermassen zufriedenstellend sind.

Welche Führungsprinzipien bzw. Leitsätze verfolgen Sie?

Während meiner Laufbahn habe ich schon so manches Führungs- und Management-Buch gelesen. Viele bleiben jedoch an der Oberfläche und sind mit Allgemeinplätzen gespickt. Was fehlt, ist die praktische Umsetzungsebene. Deshalb haben mich die «Lessons in Leadership» von Colin Powell, die er als Generalstabschef der US-Streitkräfte festhielt, tief beeindruckt. Diese Prinzipien sind für mich aufgrund ihrer Praktikabilität herausragend. Die folgenden drei haben sich mir besonders eingeprägt: 1. Der Tag, an dem deine Truppen aufhören, dir ihre Sorgen anzuvertrauen, ist der Tag, an dem du aufgehört hast, sie zu führen. 2. Höre den­jenigen zu, die die Früchte nach Hause tragen («bring in the beans»), und nicht denen, die sie lediglich zählen. 3. Organisation alleine erreicht nichts. Pläne genauso wenig. Bemühungen gelingen oder scheitern aufgrund der beteiligten Personen. Grosse Taten können nur mit den besten Talenten vollbracht werden. Schlussendlich müssen Strategien praktisch implementiert werden können. Colin Powell hat die Armee der Vereinigten Staaten geführt und kann uns in dieser Hinsicht einiges lehren.

Welche Frage würden Sie Warren Buffet bei einem Nachtessen stellen?

Lieber Herr Buffet, Sie investieren seit 50 Jahren aktiv und überaus erfolgreich. Es gibt aber immer noch Leute, die sagen, dies sei reiner Zufall – so wie im Casino die Kugel im Prinzip 50 Mal hintereinander auf die gleiche Farbe fallen könnte. Was antworten Sie selbst auf diese Behauptung?

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Ich bin ein passionierter Golfspieler, obwohl ich mit einem Handicap von 20 sicherlich nicht zu den Guten gehöre. Die Konzentration auf den Ball zwingt mich aber, im Jetzt zu sein, und nicht wie sonst meist die Zukunft zu planen.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management empfehlen?

Diese Frage bekomme ich von jungen Kolleginnen und Kollegen oft gestellt. Meine Antwort kann von Colin Powell’s Prinzipien abgeleitet werden: Verschaffe dir eine solide Ausbildung und «bring in the beans», das heisst, konzentriere dich auf das Kerngeschäft eines Asset Managers, beispielsweise im Portfoliomanagement oder der Distribution. Anders gesagt: Entwickle Kompetenzen, die das P&L der Firma unmittelbar treiben – da kannst du am meisten Wert generieren und wirst auch dafür honoriert.

Wofür sind Sie dankbar?

In der Schweiz zu leben. Dies nicht aus reinem Patriotismus, sondern auch aufgrund der hervorragenden Rahmenbedingungen, um eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln und leben zu können.

Was war Ihr liebstes Schulfach?

Es mag etwas verstaubt klingen, aber: Latein. Oft als nutzlose Kunst verschmäht, so vereint Latein doch kreative Sprache mit systematischer Logik. Zudem bildet es die sprachliche, aber auch historische und kulturelle Basis zumindest unseres Kontinents, aus der man einiges an wertvollem Wissen schöpfen kann.

Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Mobiltelefon?

Meine Frau und unsere zwei Kinder. Wenn ich im Stress des beruflichen Alltags die Orientierung zu verlieren drohe, dann schaue ich das Bild an, und die Welt kommt wieder ins Lot.

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