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«Erfolg ist mehr als nur Wachstum und starke Performance.»

 

Nicolas Campiche
Pictet Alternative Advisors

Nicolas Campiche stiess im Jahr 2000 zu Pictet Alternative Advisors und wurde 2003 zum Chief Executive Officer des Unternehmens ernannt. Er begann seine Karriere 1991 bei den Pensionskassen der Vereinten Nationen in New York. Später arbeitete er als Portfoliomanager bei Credit Suisse Group. In der gleichen Funktion wurde er 1994 von Pictet & Cie eingestellt und übernahm danach die Verantwortung für britische Privatkunden in London. Als CEO von Pictet Alternative Advisors ist Nicolas Campiche für 70 Mitarbeitende verantwortlich, darunter mehr als 40 Anlageexpertinnen und ‑experten. Das Unternehmen berät private und institutionelle Kunden bei der Allokation alternativer Anlagen in ihren Portfolios und bietet eine breite Palette an umfassenden Lösungen für Private Equity, Hedgefonds und Immobilienanlagen.

 

Nicolas Campiche, was ist für Sie Erfolg?

In der Finanzwelt wird der Erfolg an der Performance gemessen. Diese lässt sich zum Beispiel am Wachstum eines Geschäftsbereichs, an den verwalteten Assets oder an der Anzahl jährlich neu gewonnener Kunden ablesen. Aber meiner Meinung nach greift es zu wenig weit, nur diesen einen Aspekt zu berücksichtigen. Viel wichtiger ist die Kundenzufriedenheit. Die Kundenakquise ist derart aufwendig, dass man unbedingt auf die Zufriedenheit der bestehenden Kunden achten muss. Darin ist Pictet sehr gut. Ein weiterer Erfolgsindikator bezieht sich auf die Mitarbeiter: Motivierte, begeisterte Mitarbeiter, die ein Vorhaben aktiv voranbringen, sind unerlässlich und ebenso gefragt wie eine starke Performance.

Was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Die besten Entscheidungen in meiner Karriere fielen immer dann, wenn ich ein Angebot angenommen und den Sprung ins kalte Wasser gewagt habe – und das mit Begeisterung. Aber wenn ich nur eine Entscheidung nennen müsste, dann den Entschluss, bei Pictet zu bleiben. Zu einem bestimmten Zeitpunkt in meiner Karriere sprach mich jemand von der Konkurrenz an und unterbreitete mir ein sehr attraktives Angebot. Hin- und hergerissen sprach ich schliesslich mit meinem damaligen Manager darüber, der mich davon überzeugte, nicht zu gehen. Es war rückblickend eine sehr gute Entscheidung, denn das Unternehmen von damals existiert heute nicht mehr.

Haben Sie jemals eine berufliche Entscheidung bereut?

Die Frage möchte ich mit Nein beantworten. Ich mag mich wohl oft geirrt haben, aber ich habe zu meinen Entscheidungen immer bis zum Ende gestanden und das Beste daraus gemacht.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass, was am wenigsten?

Es gibt viele Dinge, die ich sehr mag, und ein paar, die mir weniger gefallen. Ich arbeite in einem absolut spannenden Bereich mit Hedgefonds, Private Equity und Immobilienanlagen. Mich faszinieren auch das Engagement, die Leidenschaft und die Fähigkeiten der Menschen, die ich in diesem Beruf treffe. Ich habe das Glück, mit den besten Spezialistinnen und Spezialisten der Branche zu arbeiten, und das ist sehr inspirierend. Ich geniesse auch den Austausch mit den Kunden. Viele von ihnen sind Unternehmer und haben faszinierende Lebensgeschichten. Es ist ein Vergnügen, ihnen zuzuhören und Lösungen anzubieten, die ihnen helfen. Am wenigsten gefällt mir im Bereich der alternativen Anlagen der blosse Wettlauf um die Performance ohne langfristige Vision. Meiner Meinung nach sollten wir einen optimalen Ausgleich zwischen den Interessen der Kunden, unserer Gegenparteien und der Gesellschaft im Allgemeinen sicherstellen. Private Equity beispielsweise kann je nach Einsatz einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten, Arbeitsplätze schaffen und Unternehmen am Beginn ihrer Existenz mit Risikokapital versorgen.

Welche Probleme sollten Politik und Behörden rasch angehen?

Zwei wichtige gesellschaftliche Themen. Das eine ist die Konzentration des Reichtums. In der Schweiz haben wir hierfür einen relativ guten Lösungsansatz gefunden: Dank unseres Steuersystems haben wir hier ein geringeres Mass an Konzentration als anderswo. Ich habe kein Problem damit, Steuern zu zahlen, weil so Reichtum umverteilt wird; ausserdem wird dieses Geld in der Schweiz gut verwendet. Das zweite Thema betrifft die Erhaltung der Umwelt.

Welchen Stellenwert haben soziale Medien bei Ihnen?

Meine Antwort wird vielleicht etwas rückschrittlich erscheinen: Ich gehöre zwar zu denen, die glauben, dass die aktuellen technologischen Entwicklungen weitgehend positiv sind. Social Media sind meiner Meinung nach aber eine Gefahr für die heutige Gesellschaft. Ich denke, dass diese Instrumente streng reguliert werden sollten. Der Einfluss, die Wirkung, die mangelnde Transparenz und die so genannten „Fake News“, die über Social Media verbreitet werden, beunruhigen mich und sind zu einer Plage für unsere Gesellschaft geworden. Ich vermute, dass die sozialen Medien langfristig an Einfluss verlieren werden, da sie die Gesellschaft nach und nach ablehnen wird.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Ich pendle oft zwischen Genf und Zürich oder Genf und London. Da nutze ich meine Zeit normalerweise für drei Aktivitäten: Da ich im Flugzeug nicht schlafen kann, vertreibe ich mir die Zeit damit, zu arbeiten und zu lesen und manchmal leiste ich mir den Luxus, eine Netflix-Serie anzuschauen.

Wofür sind Sie dankbar?

Ich bin für vieles dankbar. Das erste, was mir in den Sinn kommt, mag etwas banal erscheinen, aber es ist die Tatsache, in der Schweiz geboren worden zu sein und hier leben zu können. Ich reise beruflich wie privat viel und schätze mich jeden Tag glücklich, hier zu leben. Wir haben eine ausserordentliche Lebensqualität und die Möglichkeit, in einem freien Land zu leben, in dem es kaum Korruption gibt.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Vier Bereiche prägen heute mein Leben: meine Arbeit, meine Kinder, meine Freunde und Sport. Hier gilt es, ein Gleichgewicht zu finden. Vorrangig versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit meinen zwei Jungs zu verbringen. Da ich das Glück habe, in einem Unternehmen zu arbeiten, das mir grosse Flexibilität bietet, kann ich meine Kinder in die Schule bringen oder sie von dort abholen, sie bei ihren ausserschulischen Aktivitäten unterstützen und sogar Hausaufgaben mit ihnen machen. Der zweite Aspekt, der es mir ermöglicht, Stress in Beruf und Familie auszugleichen, ist der Sport. Paradoxerweise mache ich heute mit 50 Jahren so viel Sport wie noch nie in meinem Leben. Ob Tourenski im Winter oder Radfahren im Sommer – ich merke einfach, dass Sport emotional positiv auf mich wirkt.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management raten?

Da gibt es zwei Dinge. Man sollte zunächst mit den Grundlagen beginnen, also einen Fachberuf erlernen, bevor es möglicherweise in eine allgemeinere Richtung oder ins Management geht. „Sich die Hände schmutzig machen“ und Modelle erstellen, eine Transaktion vom Anfang bis zum Ende durchdenken und umsetzen, Analysen ausarbeiten … All das ist unerlässlich für eine Karriere im Finanzbereich. Darauf basiert auch die notwendige Glaubwürdigkeit, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Die andere Empfehlung wäre, Auslandserfahrung zu sammeln. Ein Aufenthalt im angelsächsischen Raum beispielsweise kann einen Perspektivenwechsel bringen und eine internationale Karriere ermöglichen.

Wie oft schauen Sie täglich auf Ihr Handy?

Zu viel – unzählige Male am Tag. Ich denke, man muss sich daran gewöhnen, dass die Leute ihre Geräte regelmässig checken, auch in Meetings. Jeder versucht heute seine Zeit optimal zu nutzen. Ich sehe den Gebrauch des Telefons mehrheitlich als Produktivitätsgewinn. Wir müssen uns jedoch die Frage stellen, welchen Stress die ständige Erreichbarkeit erzeugen kann. Vor der Zeit der Smartphones konnten wir den Stecker ziehen – wir waren einfach mal nicht da. Heute ist das nicht mehr möglich. Wir werden uns schlussendlich wohl daran gewöhnen, aber es ist ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor.

Wenn Sie wählen könnten: In welchem Land würden Sie am liebsten leben und wieso?

Ich würde in vielen Ländern gerne leben, aber heute bin ich beruflich besonders von Asien fasziniert. Ich habe immer viel Freude an Geschäftsreisen in diese Region und betrachte diesen Teil der Welt als eine Quelle der Inspiration. Nach einer Asienreise ist man voller Tatendrang, Erfindergeist und Enthusiasmus. Wenn ich mich für eine Stadt entscheiden müsste, würde ich zwischen Tokio, einer pulsierenden Stadt, die trotz ihrer Grösse vorbildlich funktioniert, mit Menschen, die einen aussergewöhnlichen Gemeinsinn haben, Singapur, einem Musterstadtstaat bezüglich Verwaltung, oder vielleicht Shanghai wählen, wo ich vor kurzem geschäftlich war und dessen Entwicklung im Umweltbereich mich beeindruckt hat.

 

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