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«Private Equity - in meinen Augen eine der spannendsten Anlageklassen überhaupt.»

 

Nathalie von Niederhäusern
Mitglied der BlackRock Private Equity Partners

Nathalie von Niederhäusern ist Managing Director und als Mitglied der BlackRock Private Equity Partners Teil von BlackRocks Geschäft für alternative Anlagen. Nathalie von Niederhäusern verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in Private Equity und Corporate Finance. Sie begann ihre Karriere 1997 bei Zurich Financial Services im Bereich Mergers & Acquisitions mit Schwerpunkt Lebens- und Sachversicherungen. Im Jahr 1999 wechselte sie zu Swiss Re, wo sie sich auf die strategischen und langfristigen Anlagen des Unternehmens in der Versicherungs­industrie konzentrierte. Ab 2001 arbeitete sie für die Einheit Private Equity Fund of Funds der Swiss Re, wo sie für Investitionen in Private Equity-Fondsmanager aus Europa und den USA verantwortlich war. Im Jahr 2005 zog sie nach New York, um die nordamerikanische Präsenz der Einheit aufzubauen. Vor ihrem Wechsel zu BlackRock Private Equity Partners war Nathalie von Niederhäusern Head Private Equity and Investment Monitoring sowie Mitglied des Investment Committees bei Swiss Re Private Equity Partners.


Nathalie von Niederhäusern, was ist für Sie Erfolg?

Eigene Prioritäten zu setzen, dadurch etwas bewegen und voranbringen zu können. Entscheidend dafür ist, von einem professionellen Team umgeben zu sein und für eine Firma zu arbeiten, die den höchsten Standards entspricht. Zudem halte ich es für wichtig, Spass am Job zu haben sowie Beruf und Privatleben miteinander kombinieren zu können.

Was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Es ist schwierig, dies auf einen bestimmten Entscheid zu reduzieren. Generell hat es mich weitergebracht, wenn ich mich Herausforderungen gestellt habe, mir etwas ausserhalb meiner Komfortzone zugetraut habe. Beispiele dafür waren der Umzug ins Ausland, um dort vor Ort ein Team aufzubauen, oder die Verantwortung für ein milliardengrosses Private Equity Portfolio in relativ jungen Jahren zu übernehmen. Solche Situationen haben zwar ein paar schlaflose Nächte mit sich gebracht. Aber man lernt nie so schnell schwimmen, wie wenn man ins kalte Wasser geworfen wird.

Was war Ihre grösste Herausforderung am Anfang Ihrer Karriere?

Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen – was letztlich auch heisst, bei beiden Abstrichen zu machen. Sei dies ein Investment Committee, das man abkürzen muss, weil eine Theateraufführung in der Schule ansteht, oder den Besuchsmorgen im Kindergarten zu verpassen, weil ein Kundenmeeting schon lange geplant war. Glücklicherweise hatte ich immer Vorgesetzte und Team-Mitglieder, die mich unterstützt haben und mir die nötige Flexibilität einräumten. 

Welche Leitsätze/Führungsprinzipen verfolgen Sie?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen sich am schnellsten und erfolgreichsten entwickeln, wenn man ihnen Freiheit und Verantwortung gibt. Dies gilt schon für die jüngsten Mitarbeiter. Mikromanagement ist meiner Erfahrung nach absolut kontraproduktiv, da die Mitarbeiter dabei irgendwann einmal «abschalten», in den Ausführungsmodus gehen und nur noch mittelmässige Arbeit liefern. Wichtig ist, die Mitarbeiter wissen zu lassen, dass man ihnen auch schwierigere Aufgaben zutraut, dass sie keine Zweifel haben, neue Hürden meistern zu können. Manchmal muss man sich dafür Zeit nehmen, Selbstvertrauen stärken, Gespräche führen oder etwas mehr Guidance geben. Damit haben wir am Ende praktisch immer Erfolge verbucht. Schlussendlich wissen meine Mitarbeiter, dass ich da bin und dass sie jederzeit auf mich zurückkommen können.  

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Am Anfang stand das Interesse an Corporate-Finance-Transaktionen und Investments. Dies verdanke ich meinem Professor an der Universität, der mit unermüdlichem Elan dabei war, bei uns Studenten die Passion für DCF-Analysen und Optionsbewertungen zu wecken. Das hat die Grundrichtung vorgegeben. Der Rest war etwas Zufall, eine Prise Glück, wenig Planung und der Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Von einer M&A-Abteilung ging es über Public Equity Investments zu Private Equity – in meinen Augen eine der spannendsten Anlageklassen überhaupt. Denn bei Private Equity geht es um die fundamentale Bewertung von Unternehmen und die Möglichkeit, während etwa vier bis fünf Jahren einen Geschäftsplan ungestört von der Volatilität der Aktienmärkte und dem Druck von Quartalszahlen gemeinsam mit der Geschäftsführung umzusetzen.

Welchen Stellenwert haben soziale Medien bei Ihnen?

Praktisch keinen. Ich bin weder auf Facebook noch auf Twitter aktiv, verfolge keine Blogs etc. Nur mein LinkedIn-Profil nutze ich, wenn auch spärlich.

Und wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

In den vergangenen Jahren habe ich Gartenarbeit für mich entdeckt – etwas, das ich früher nicht für möglich geglaubt hätte. Aber es macht mir unendlich Spass zu pflanzen, zu hegen und zu pflegen und dann hoffentlich etwas zu ernten! Selbst das Jäten erdet einen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?

Auf Zeit mit meiner Familie. Denn es gibt nichts, was dies ersetzen kann. Und an zweiter Stelle auch mal Zeit für mich, in der ich mich zurückziehen und meine Batterien wieder aufladen kann.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management bzw. Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Bei vielen Berufseinsteigern sehe ich generell zwei unterschiedliche Tendenzen: Die einen kommen mit detaillierten Karriereplänen und definieren Meilensteinen, die sie in den nächsten drei, fünf und zehn Jahren erreichen wollen. Denen würde ich zurufen: Keep a broad horizon, der Karriereweg verläuft niemals linear. Habt Mut, Dinge auszuprobieren und habt eine Passion für das, was ihr macht. Der Erfolg wird sich dann einstellen. Bei den anderen sehe ich leider manchmal die Einstellung: Was können die Firma und das Team für mich tun? Denen empfehle ich: Stay humble!

Mit wem würden Sie sich gerne zum Lunch oder Dinner verabreden?

Leonardo da Vinci.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Auf meinem Nachttisch liegen immer mehrere Bücher. Je nach Zeit und Laune lese ich dann in einem von ihnen weiter. Im Moment sind es «Nutshell» von Ian McEwan, «A short history of England» von Simon Jenkins und «Die Giftköchin» von Argo Paasilinna.

Was war Ihr liebstes Schulfach?

Chemie. Daraus wäre fast meine Studienrichtung geworden, hätten wir nicht einen ziemlich erfolglosen Doktor der Chemie im weiteren Familienkreis gehabt, der mir dringlichst davon abriet. Daher habe ich mich schliesslich für ein Wirtschaftsstudium entschieden.

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