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"Leidenschaft gepaart mit Verantwortung ist ein Rezept für gute Resultate."


Larry Hatheway
Chefökonom, GAM Investments

Larry Hatheway stiess im Jahr 2015 zur GAM Holding AG und besetzt dort die Funktion als Chefökonom. Im Mai 2016 wurde er ins Group Management Board berufen und seit September 2016 leitet er als Group Head of Investment Solutions bei GAM Teams in den Bereichen Privatkunden, Wohltätigkeitsorganisationen, Multi-Asset sowie alternative Anlagen. Bevor er zu GAM kam, war er Chefökonom der UBS Investment Bank. Larry Hatheway arbeitete in verschiedenen Rollen seit 1992 bei der UBS. Zuvor agierte er bei der Federal Reserve, Citibank und beim Manufacturers Hanover Trust. Larry Hatheway hat einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften der University of Texas. Er wurde 1958 geboren und ist sowohl US- als auch britischer Staatsbürger.


Larry Hatheway, was treibt Sie an?
Ich bin eine neugierige Person. Ich finde Fragen interessanter als Antworten, auch wenn mein Beruf normalerweise Letzteres verlangt. Ich liebe es, Dinge und Sachverhalte zu erforschen und mein Wissen zu vertiefen. Das gilt für meine Rolle als Chefökonom bei GAM ebenso wie für die Art und Weise, wie ich Multi-Asset-Strategien verwalte und verschiedene Teams führe.

Was ist für Sie Erfolg?
Viele Leute denken, es sei einfach, den Erfolg eines Investment Managers oder eines Ökonomen zu messen. Hat die Strategie gute Renditen erzielt? Hat sie die Vergleichsgruppe schlagen können? Waren Prognosen rückblickend betrachtet korrekt? Diese Fragen sind allerdings keine wirklich guten Erfolgsmassstäbe. Natürlich spielt die Anlage-Performance eine enorm wichtige Rolle, vor allem für jene, die uns mit der Verwaltung ihres Vermögens betraut haben. Und genauso wie meine Kollegen bin natürlich auch ich bestrebt, mein absolut Bestes als Investment-Profi zu tun. Echter Erfolg besteht für mich jedoch darin, einen nachhaltigen Beitrag für das Team zu leisten. «Team» ist ein viel besserer Begriff als «Organisation», denn Organisationen sind banal und leblos. Teams hingegen verkörpern Kooperation, gemeinsame Ziele und Leistungsbereitschaft. Menschen zum Zusammenarbeiten motivieren, junge Leute fördern, Leidenschaft entfesseln - das sind die Zutaten für echten und dauerhaften Erfolg. Am Ende dient dies auch Kunden, Kollegen und Aktionären am meisten.

Was hat Sie dazu bewegt das zu tun, was Sie heute tun?
Ich bin zwar ein ausgebildeter Ökonom, aber als junger Student habe ich die Wirtschaftswissenschaften verabscheut und stattdessen Geschichte und Deutsch als Hauptfach gewählt. Ich kam nur wegen einer zufälligen Begegnung mit einer inspirierenden Dozentin zurück zu den Wirtschaftsfächern. Sie hatte eine aussergewöhnliche Art, Edgeworth-Boxen und andere obskure Elemente der globalen Ökonomie zum Leben zu erwecken. Seit da war ich fasziniert vom Fachgebiet. Später brachte mich ein weiteres inspirierendes Treffen mit Oliver Adler, der damals bei UBS die Geld- und Finanzmarktanalyse leitete, ins Bankwesen. Ich war offen für neues und mir wurden auch neue Möglichkeiten geboten. So erhielt ich beispielsweise Mitte der 1990er-Jahre das Angebot, mich als Chefökonom von UBS Asia nach Singapur versetzen zu lassen. Obwohl ich damals noch so gut wie nichts über diese Region wusste, habe ich die Möglichkeit mit Begeisterung wahrgenommen. Vor drei Jahren habe ich mich entschieden, zu GAM zu wechseln, um mehr auf der praktischen Seite des Anlagegeschäfts involviert zu sein. Karrieren können sich teilweise merkwürdig entwickeln. Meiner Erfahrung nach werden diejenigen, die sie genau vorausplanen, oft unglücklich. Die glücklicheren Leute schätzen den Zufall und machen das Beste daraus. Es hört sich ein bisschen an wie die alte Binsenwahrheit «werde Deines eigenen Glückes Schmied».

Welche Ziele verfolgen Sie – beruflich wie privat?
Aus irgendeinem Grund funktionieren Ziele bei mir nicht wirklich. Ich bemühe mich zwar, Aufgaben zu erfüllen, aber ich setze mir selber oft keine Ziele. Ich erlange wahrscheinlich die grösste Befriedigung daraus, wenn ich anderen helfen kann. Leidenschaft gepaart mit Verantwortungsbewusstsein ist ein Rezept für gute Resultate.

Welche Frage würden Sie Warren Buffet stellen, wenn Sie mit ihm zum Nachtessen verabredet wären?
«Wirklich? Wir teilen uns die Rechnung?»... Scherz beiseite. Ich würde ihn fragen, was es ihm zufolge in den USA braucht, um den Anstand bei öffentlichen Debatten wieder herzustellen und - was noch wichtiger ist - wie man eine substanzielle Diskussion über politische Themen führen kann.

Mit wem würden Sie sich gerne zum Lunch oder Dinner verabreden?
Oh, das ist einfach - mit meiner Frau. Aber wir beide würden Jacob Leaf, Joyce Poole und Bobby Poole zu uns einladen. Die drei machen in Afrika grosse Dinge, auf einem Kontinent, der mich fasziniert und mystifiziert. Jeder unterstützt auf seine Art die verletzlichsten Wesen - Kinder und Wildtiere. Jacob war Mitbegründer der gemeinnützigen Organisation Ubuntu Pathways, die Kindern hilft, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Joyce und Bobby widmen sich dem Schutz der Elefanten und der Wiederherstellung des Gorongosa Nationalparks in Mosambik. Sie kennen sie nicht? Schauen Sie im Internet nach und vielleicht werden Sie, wie ich, inspiriert.

Welches war Ihr liebstes Schulfach?
Geschichte. Geschichte wird furchtbar unterschätzt, ganz besonders heutzutage. Das grösste Manko in meinem Heimatland, den USA, ist nicht das Handels- oder Budgetdefizit, obwohl beide riesig sind. Es ist vielmehr der Mangel an Wertschätzung für die eigene Herkunft. Ohne seine Vergangenheit zu kennen, ist Verstehen unmöglich und Nihilismus nicht weit.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management oder Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?
Ich würde ihm raten zu überdenken. Ich meine dies ernst, allerdings in einem etwas anderen Sinn. Man soll den Status quo nicht als beständig voraussetzen. Denke darüber nach, wie sich die Welt verändert, und wie die Welt dich und die Investment-Branche verändern wird. Trau dich zu fragen, warum gewisse Dinge so und nicht anders gemacht werden. Und gehe nicht davon aus, dass andere Leute - selbst solche mit viel Erfahrung und Seniorität - wissen, wie die weitere Entwicklung verlaufen wird. Es ist besser, sie zu unterstützen, dies herauszufinden. In der Geschäftswelt ist Veränderung wohl am schwierigsten zu bewerkstelligen. Doch die Welt verlangt nach einem immer schnelleren Wandel. Also sollte man nicht schüchtern sein. Hinterfrage Normen, erarbeite Lösungsideen und arbeite in Teams, um Verbesserungen zu erreichen.

Welches Buch lesen Sie gerade?
«Alle Toten fliegen hoch» von Joachim Meyerhoff. Es ist ein verzweifelter Versuch, mein «Ami-Deutsch» zu verbessern. Aber es ist auch ein Roman über einen deutschen Teenager, der sich als Austausch-Schüler in Amerika befindet. Im gleichen Alter – viele Jahrzehnte ist es her - habe ich in Deutschland etwas Ähnliches erlebt.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass?
Das ist einfach: die Kollegen. GAM ist ein wunderbarer Ort zum Arbeiten, voll von smarten und - ja -  netten Leuten. Manche haben sogar ein super Gespür für Humor. Ich habe zum Glück auch einen Chef, der mir ausserordentliches Vertrauen schenkt und gemeinsam mit meinen Kollegen gibt mir dies die Zuversicht, stets meine beste Leistung zu geben. Das wiederum hilft mir, andere zu motivieren. So etwas macht richtig Spass.

Wie heisst Ihr liebstes Reiseziel?
Ich würde gerne den Gorongosa Nationalpark in Mosambik besuchen. Er hat eine traurige Geschichte, aber es ist ein Ort, an dem Leidenschaft, Wissenschaft und harte Arbeit etwas Schönes revitalisieren - nämlich die Natur.

Wenn Sie ein Land aussuchen dürften: wo würden Sie am liebsten leben und wieso?
Die Schweiz ist jetzt meine Heimat und es ist ein bezauberndes Land zum Leben. Aber ich würde auch gerne in Wilson, Wyoming oder in Hawi, Hawaii leben. Ich kenne nette kleine Cafés an beiden Orten, wo ich den ganzen Tag lang sitzen und mich der Geschichte widmen könnte – zumindest dann, wenn ich nicht draussen wäre beim Wandern, Vögel beobachten oder Geniessen der atemberaubenden Schönheit der Natur.

 

 

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