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«Gute Ausbildung ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere im Finanzbereich.»

 

Andreas Jacobs
AZEK / SFAA

In seiner Rolle als CEO des Ausbildungszentrums AZEK/SFAA ist Andreas Jacobs gefordert, die Organisation auf die Umwälzungen im Finanzmarkt optimal auszurichten. Er leitet die Geschicke von  AZEK/SFAA seit anfangs 2017. Seit 2010 ist er ebenfalls Verwaltungsratspräsident der OLZ, eines unabhängigen Asset und Wealth Managers. Davor bekleidete er die Funktion als Managing Partner und Finanzchef bei Aravis, einem Schweizer Private Equity Anbieter. Zwischen 1995 und 2009 war Andreas Jacobs als Managing Director in verschiedenen Führungspositionen im Asset Management, im Wealth Management und Business Banking der UBS Schweiz tätig.

 

Andreas Jacobs, was ist für Sie Erfolg?

Erfolg heisst für mich, eine wachsende Anzahl an Studierenden für das Ausbildungsangebot von AZEK überzeugen und begeistern zu können und dadurch ihre Arbeitsmarktfähigkeit langfristig zu stärken. In den letzten Jahren hat sich das Angebot der Bildungsanbieter und der Lehrgänge im Finanzbereich vervielfacht und die Konkurrenz ist wesentlich intensiver geworden. In diesem Umfeld können wir nur erfolgreich sein, wenn wir die Bedürfnisse unserer Kunden optimal abdecken. Dies bedingt, dass wir als Team am gleichen Strick ziehen und versuchen, uns immer wieder möglichst gut auf das sich ändernde Umfeld auszurichten.

Was treibt Sie an?

Der wichtigste Antrieb für mich sind zufriedene Kunden, in meiner Branche motivierte und lernbegierige Finanzfachleute, die wir mit unseren Ausbildungen für den nächsten Schritt in ihrer beruflichen Karriere qualifizieren. Um qualitativ hochstehende und dem neusten Wissensstand entsprechende Ausbildungen anbieten zu können, habe ich zudem das Privileg, mich ständig mit den neuesten Entwicklungen und Erkenntnissen auf diesem Feld auseinandersetzen zu dürfen.

Auf welchen Werten beruhen Ihre täglichen Handlungen, Entscheidungen, Pläne?

Ich halte zwei Werte oder Prinzipien für besonders wichtig: Da ist erstens die Überzeugung, dass alle Menschen für ihr Tun und Handeln eine grosse Eigenverantwortung tragen. Das bedeutet für mich, dass jeder und jede Einzelne zur Lösung eines Problems beiträgt und damit die Ausgestaltung der Lösung auch mitprägt. Diese Gestaltungsfreiheit ist meines Erachtens einer der wichtigsten Motivationsfaktoren in der Arbeit wie auch im Privaten. Zweitens erachte ich «Arbeit, Arbeit und Arbeit» als wichtigen Erfolgsfaktor. So verlange ich sowohl von mir selber als auch von meinen Mitarbeitern Einsatz und Verantwortungsbewusstsein.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Die Ausbildung und Entwicklung von jungen Leuten liegt mir am Herzen. Ich bin mit Freude und Engagement seit über zwei Jahrzehnten als Dozent an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen und auch bei AZEK tätig. Als sich die Möglichkeit eröffnete, neben der Lehre auch die Verantwortung für die Organisation AZEK zu übernehmen, habe ich nicht gezögert. Der rasche Wandel in der Banken- und Finanzindustrie wirkt sich auch auf die Bildungsanbieter wie AZEK aus. Neue Themen, Lernformen und Bedürfnisse der Studierenden müssen identifiziert und in unser Angebot integriert werden. So offerieren wir seit Anfang dieses Jahres einen neuen Lehrgang in Financial Data Science. Offenbar haben wir damit den Nerv der Zeit getroffen; innerhalb weniger Wochen hat sich der Kurs gefüllt und wir planen bereits eine zweite Durchführung noch in diesem Jahr.

Welchen Stellenwert haben soziale Medien bei Ihnen?

Soziale Medien sind für mich Mittel zum Zweck. Ich setze sie zielgerichtet und pragmatisch ein, eher im beruflichen als im privaten Kontext. Vor dem Hintergrund der vielen ungelösten Herausforderungen bezüglich des Eigentums an den Daten stehe ich Social Media relativ kritisch gegenüber und nutze sie mit einer gewissen Vorsicht.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass, was am wenigsten?

Am spannendsten finde ich alle Tätigkeiten, bei denen wir etwas Neues gestalten können – sei das die Umsetzung einer neuen Geschäftsidee, das Design einer neuen Lernplattform und der Aufbau einer neuen Ausbildungspartnerschaft mit einem Finanzdienstleister. Das können aber auch kleine Dinge sein, zum Beispiel ein kurzes Lernvideo, das eine anspruchsvolle Thematik kurz, verständlich und anregend zu vermitteln vermag, so dass beim Studierenden die Motivation für das Weiterlernen erhalten bleibt oder sogar noch steigt. Eher wenig Begeisterung aufbringen kann ich hingegen für repetitive und oder administrative Aufgaben – sie sind zum Glück in meiner KMU-Organisation nicht besonders häufig.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management, zum Beispiel Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Die meisten Funktionen im Asset Management verändern sich im heutigen «Reorganisationskarussell» relativ rasch und die Methoden, die heute unter dem Label «Data Science» zusammengefasst werden, werden die Umwälzungen im Sektor zusätzlich beschleunigen. Einem Berufseinsteiger würde ich deshalb empfehlen, sich möglichst flexibel auf die laufenden Veränderungen einzustellen und die Augen offen zu halten, denn immer entstehen in solchen Situationen auch neue Opportunitäten, die es sich zu prüfen lohnt. Daneben würde ich vom ersten Tag an ein Netzwerk an Kontakten aufbauen und pflegen.

Welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gerne einmal begegnen?

Viele dieser Persönlichkeiten sind leider bereits verstorben. Ich denke, das liegt daran, dass man erst mit einer gewissen Distanz die tatsächliche Relevanz des Lebenswerks eines Menschen wirklich erkennen kann. Jedenfalls beeindrucken mich Personen, die mit ihrem Wissen und ihren Erkenntnissen die Welt nachhaltig verändert haben. Spontan kommen mir dabei Galileo Galilei, Leonardo da Vinci oder Leonard Euler in den Sinn. Wenn ich mich aber auf eine einzige Person festlegen muss, dann vermutlich auf Sir Isaac Newton.

Wie heisst Ihr liebstes Reiseziel in der Schweiz oder im Ausland?

«Das» Lieblingsreiseziel gibt es nicht, Hauptsache es liegt im Norden und/oder ist kalt dort. Meine Familie und ich verbringen unsere Ferien daher meistens in Skandinavien, Alaska oder auf Inseln wie den Hebriden, Orkney, Shetland und Island. Trotzdem ragen zwei Destinationen heraus: in der Schweiz sind es generell die Alpen, wo ich gerne wandere oder dem Plaisirklettern nachgehe. Und international hat mich die kürzliche Reise nach Grönland tief beeindruckt – die Lebensbedingungen sind speziell und hart, aber die Insel ist während dem kurzen Sommer von unfassbarer Schönheit.

Was war Ihr liebstes Schulfach?

Obwohl mir vielfach weitgehende Talentfreiheit nachgesagt wurde, war es sicherlich der Sport – denn im Klassenzimmer stillsitzen war nicht gerade meine Paradedisziplin. Daneben fand ich Mathematik immer faszinierend. Heute interessieren mich vor allem Fragen der Didaktik. In meinem Unterricht steht für mich immer die Frage im Zentrum, wie ich es schaffe, bei den Studierenden die Begeisterung für «Finanzmanagement» oder Finanzfragen allgemein zu entfachen.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Ich treibe mässig Sport, fahre zum Beispiel Rennvelo, wandere oder klettere einfache Routen. Daneben interessiere ich mich für Strategiespiele. Dies einerseits, weil es den Kopf fordert und fördert, anderseits aber auch, weil es verblüffend ist, wieviel Zeit und Energie Menschen freiwillig in Spiele investieren. Aus einer beruflichen Optik frage ich mich dann jeweils, wie wir diese Energie, diese Leichtigkeit und Freiwilligkeit in der Ausbildung für bessere Lernerlebnisse umsetzen und nutzen können.

Was ist für Sie im Alter wichtiger, was weniger wichtig?

Ich persönlich finde, der Begriff «im Alter» trifft noch nicht so richtig auf mich zu. Aber natürlich kann ich mich heute mit mir selber von vor 25 Jahren vergleichen. Heute stellt sich mir viel mehr als früher die Frage nach dem Sinn einer Tätigkeit. Ich habe keine Lust mehr darauf, etwas «pour la galerie» (Schöngeist) zu tun. Ich will heute überzeugt davon sein, das Richtige zu tun und damit auch etwas Sinnvolles zu bewegen. Und dann habe ich mir bei all meinen Aktivitäten auch bereits derart oft den Kopf angestossen, dass ich mittlerweile auch bei Rückschlägen kaum mehr aus dem Gleichgewicht gerate.

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